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Ratgeber

WordPress oder Baukasten: was passt zu dir?

WordPress oder Website ohne CMS? Wann du Inhalte selbst pflegen willst, was Plugins und Updates an Pflege verlangen und welche Mischformen es gibt.

9 Min. LesezeitAutor: Frederic Dluzinski

Eine Website ohne CMS passt, wenn sich deine Inhalte selten ändern und du die Pflege abgeben willst. WordPress passt, wenn du Texte und Produkte regelmäßig selbst ändern möchtest oder einen Shop brauchst. Aufwand machen beide Wege, nur an verschiedenen Stellen: WordPress laufend durch Updates und Plugins, die Seite ohne CMS bei jeder Änderung, die ein Entwickler für dich einspielt.

Was eine Website ohne CMS von WordPress unterscheidet

CMS steht für Content-Management-System, auf Deutsch Redaktionssystem. Gemeint ist eine Oberfläche, in der du dich anmeldest und Seiten und Bilder bearbeitest, ohne Code anzufassen. WordPress ist so ein System: freie Software unter der GPL, gebaut mit PHP und einer MariaDB-Datenbank.

Bei einer Website ohne CMS gibt es diese Oberfläche nicht. Die Inhalte stehen direkt im Projekt. Wer einen Satz ändern will, ändert die Datei und veröffentlicht danach eine neu erzeugte Fassung. Werden alle Seiten dabei vorab fertig erzeugt, spricht man von einer statischen Website.

Laut W3Techs lief WordPress am 11. September 2026 auf 40,3 % aller Websites, das entspricht 58,8 % aller Seiten, deren Redaktionssystem erkennbar ist. Bei 31,5 % der Websites fand W3Techs keines der Systeme, die es beobachtet. Verbreitung beantwortet aber nicht, was dein Betrieb braucht.

Wer ändert was, und wie oft?

Schau zuerst auf das letzte Jahr. Was hat sich auf deiner Website geändert oder hätte sich ändern sollen, und wer hat es gemacht? Aus der Antwort ergibt sich meist schon die Richtung:

  • Du verkaufst online, mit Größen, Beständen, Versand und Zahlung: Dafür nehme ich WooCommerce auf WordPress. W3Techs findet WooCommerce zum selben Stichtag auf 19,8 % aller WordPress-Websites.
  • Jede Woche kommt etwas Neues dazu, etwa neue Belegungen oder Beiträge: Du brauchst eine Oberfläche, in der du das selbst erledigst.
  • Nur einzelne Angaben wechseln ständig, zum Beispiel Öffnungszeiten oder Termine: Hier reicht oft ein kleiner Verwaltungsbereich statt eines kompletten Redaktionssystems.
  • Ein paar Änderungen im Jahr, eine neue Leistung hier, eine andere Telefonnummer dort: Dafür brauchst du keine eigene Oberfläche, die Änderungen übernimmt ein Entwickler.

Wann WordPress die richtige Wahl ist

WordPress hat zwei Vorteile, die im Alltag zählen. Du bist unabhängig: Einen Preis oder ein Foto änderst du selbst, ohne dass jemand etwas bauen muss. Und du hast Auswahl. Das Verzeichnis auf wordpress.org listet über 72.000 kostenlose Plugins (abgerufen am 12. September 2026). Vieles, vom Newsletter bis zu den Rechtstexten im Shop, lässt sich mit vorhandenen Erweiterungen lösen.

Ferienwohnung Senjic: Anfragen bestätigen die Gastgeber selbst

Regina und Mirko Senjic vermieten in Heiligenhaus eine Ferienwohnung und ein Ferienhaus. Ihre alte Seite lief schon auf WordPress, und die neue läuft auf derselben Installation: mit eigenem Theme und einem Buchungssystem als Plugin, das freie Tage anzeigt und Anfragen annimmt. Alle früheren Adressen funktionieren weiter: Ein Teil blieb unverändert, der Rest leitet per 301 auf die passende neue Seite. Im Alltag bestätigen die Gastgeber Anfragen und tragen Sperrzeiten selbst ein, eine bebilderte Anleitung zeigt, wie das geht. Sogar Impressum und Datenschutzerklärung pflegen sie selbst.

Fashion Kiosk und Linni & Boo: Shops zum Selbstpflegen

Fashion Kiosk aus Erkrath verkauft italienische Damenmode und ist von Shopify zu WordPress mit WooCommerce gewechselt. Weil dort laufend neue Ware in kleinen Stückzahlen kommt, habe ich einen eigenen Bildschirm zum Einstellen gebaut: Foto aufnehmen, Preis und Größen eintragen, und nach weniger als zwei Minuten steht der Artikel im Shop, auch vom Handy aus.

Bei Linni & Boo, einem Shop für Baby- und Kleinkindmode, wollte die Betreiberin Artikel und Bestände von Anfang an selbst pflegen. Ist eine Größe ausverkauft, können sich Kundinnen dafür vormerken lassen und bekommen Bescheid, sobald Nachschub eintrifft.

Was WordPress an Pflege verlangt

Viele Nachteile von WordPress entstehen nicht im Kern, sondern bei den Erweiterungen. Patchstack, ein auf WordPress spezialisierter Sicherheitsanbieter, hat für 2025 insgesamt 11.334 neue Sicherheitslücken im WordPress-Umfeld gezählt. 91 % steckten in Plugins, 9 % in Themes, im WordPress-Kern selbst waren es 6 mit niedriger Priorität. Bei 46 % der Lücken lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch keine Korrektur des Herstellers vor.

Weil fast die Hälfte der Lücken bei Veröffentlichung noch keine Korrektur hatte, hilft schnelles Aktualisieren nicht in jedem Fall. Umso mehr zählt, wie wenige Plugins überhaupt laufen. Und zur Pflege gehört mehr als ein Klick auf „Aktualisieren“:

  • Updates und die Kontrolle danach. Bei einem Shopprojekt setzte ein automatisches Kern-Update die Spracheinstellung zurück. Die nächste Bestellmail ging auf Englisch raus, betroffen war nur eine eigene Testbestellung. Kein Kunde hat eine englische Mail bekommen.
  • Plugins, die sich gegenseitig stören. Bei einem Shopprojekt fiel vor dem Start auf, dass der Expresskauf eines Zahlungs-Plugins die Pflicht-Checkbox mit der Widerrufsbelehrung übersprang, die ein anderes Plugin in die Kasse einbaut. Auf Produkt- und Warenkorbseite ist der Expresskauf seitdem aus.
  • Tempo, das eingebaut werden muss. Ohne Cache setzt WordPress jede Seite beim Aufruf neu aus Code und Datenbank zusammen. Bei Fashion Kiosk dauerte das 1,7 bis 1,9 Sekunden pro Seite, mit einem eigenen Seiten-Cache sind es 0,09 bis 0,22 Sekunden. Jedes Zahlungs-Plugin bringt zusätzlich eigene Skripte mit, die ohne bewusste Begrenzung auf jeder Seite mitladen.
  • Eine abgesicherte Anmeldung. Wiederholte Fehlversuche werden gebremst, Benutzernamen sind nicht öffentlich abrufbar.
  • Sicherungen, die regelmäßig laufen und sich im Ernstfall zurückspielen lassen. Bei Linni & Boo passiert das täglich.

Wie schnell Updates kommen müssen, zeigt eine weitere Beobachtung von Patchstack: Etwa die Hälfte der Lücken mit hoher Auswirkung wird innerhalb von 24 Stunden nach ihrer Veröffentlichung ausgenutzt. Wer nur alle paar Monate aktualisiert, lässt dieses Fenster lange offen.

Nichts davon spricht gegen WordPress. Eine WordPress-Seite braucht aber jemanden, der sich regelmäßig kümmert: dich selbst oder eine laufende Wartung und Betreuung.

Wann eine statische Website ohne CMS besser passt

Änderst du deine Seite nur ein paar Mal im Jahr, nutzt du die Oberfläche eines Redaktionssystems kaum, trägst aber seinen Pflegeaufwand. Eine Website ohne CMS dreht dieses Verhältnis um. Eine reine Informationsseite hat dann weder Anmeldeseite noch Plugins. Was nicht installiert ist, braucht kein Update und kann an dieser Stelle keine Lücke haben.

Der zweite Vorteil einer statischen Website ist Tempo. Die Seiten liegen fertig bereit, beim Aufruf muss der Server nichts aus einer Datenbank zusammensetzen. Für neue Seiten dieser Art empfehle ich meist Astro. Laut eigener Beschreibung erzeugt Astro die Seiten auf dem Server und schickt schlankes HTML ohne unnötiges JavaScript an den Browser. Google misst über die Core Web Vitals unter anderem, wie schnell und stabil eine Seite lädt, und empfiehlt, dass der größte sichtbare Inhalt innerhalb von 2,5 Sekunden steht.

Die Kehrseite: Jede inhaltliche Änderung geht über den Entwickler. Das stört nicht, solange du genau das willst. Es stört sehr wohl, wenn du am Sonntagabend selbst einen Text anpassen möchtest.

KFZ Oppitz und Heim Concierge: gebaut ohne Redaktionssystem

Beide Websites laufen mit Next.js und ohne klassisches CMS. Heim Concierge aus Erkrath arbeitet als Servicepartner für Pflegeheime. Die Seite richtet sich an Heimleitungen und hat sechs Themenseiten plus einen Ratgeber mit fünf Artikeln. Die Texte stehen im Code, die Seiten werden vorab fertig erzeugt und so ausgeliefert, jede Änderung geht als neue Version live.

Die Website von KFZ-Meister Jan Oppitz in Wuppertal ist ein Onepager mit Unterseiten je Leistung. Kunden fragen Termine direkt online an und tragen dabei HSN und TSN ihres Fahrzeugs ein. Wegen Terminanfrage und Verwaltungsbereich wird sie bei jedem Aufruf erzeugt, statisch ist sie also nicht. Ein Redaktionssystem für die Texte hat sie trotzdem nicht, einige Angaben pflegt der Meister selbst.

Mischformen: selbst pflegen, was sich wirklich ändert

Zwischen „alles selbst“ und „alles über den Entwickler“ liegen mehrere Stufen:

  • Verwaltungsbereich statt Redaktionssystem. Die Werkstattseite kfz-oppitz.de hat kein CMS, aber einen Bereich für den Meister, der auch auf dem Handy funktioniert. Dort landen die Terminanfragen, und dort stellt er Öffnungszeiten und buchbare Zeitfenster selbst um.
  • Eigene Bausteine statt fremder Plugins. Jedes fremde Plugin weniger heißt ein Update weniger. Bei Linni & Boo kommt der Cookie-Hinweis ohne fremdes Plugin aus, die Schriften liegen lokal. Der Belegungskalender der Senjics nutzt keine fremde Bibliothek.
  • WordPress nur im Hintergrund. Astro kann laut eigener Dokumentation WordPress als sogenanntes Headless CMS nutzen. Du pflegst Inhalte in der gewohnten Oberfläche, deine Besucher sehen eine Astro-Seite. Der Haken: Dann laufen zwei Systeme, und das WordPress im Hintergrund braucht weiter Updates.
  • Dieselbe Seite in zwei Fassungen. Die Pflegedienst-Vorführung VitaCare gibt es als Seite ohne Redaktionssystem und als WordPress-Version, deren Inhalte wie Leistungen und Team über Eingabefelder gepflegt werden. Daran lässt sich der Unterschied in der Pflege zeigen, bevor du dich festlegst.

Welches CMS für kleine Unternehmen? Fünf Fragen zur Entscheidung

  1. Wie oft ändert sich etwas, und wer ändert es? Wöchentlich und durch dich selbst: Das spricht für WordPress. Ein paar Mal im Jahr und durch einen Entwickler: Das spricht für eine Seite ohne CMS.
  2. Verkaufst du online? Bei Varianten, Beständen, Versand und deutschen Rechtstexten bekommst du mit WooCommerce ein verbreitetes Shopsystem, statt all das neu bauen zu lassen.
  3. Wer spielt Updates ein und prüft danach, ob alles läuft? Bleibt die Frage offen, wähle eine Seite ohne CMS oder WordPress mit Wartung. Ein WordPress, um das sich niemand kümmert, solltest du nicht betreiben.
  4. Gibt es die Funktion schon als gepflegtes Plugin? Newsletter oder Rechtstexte im Shop lassen sich in WordPress mit vorhandenen Plugins ergänzen. Für sehr eigene Abläufe kann eine Eigenentwicklung sinnvoller sein: Bei der Ferienwohnung Senjic läuft die Buchung mit Bestätigung durch die Gastgeber als eigenes Plugin, ohne Fremdanbieter.
  5. Gibt es schon eine Website, und worauf läuft sie? Ein Systemwechsel ist machbar, dann müssen aber alle bisherigen Adressen weiter funktionieren, damit Links und Suchergebnisse nicht ins Leere führen. Läuft die Seite schon auf WordPress, kann die neue Seite auf der bestehenden Installation entstehen, wie bei der Ferienwohnung Senjic.

Und was ist günstiger?

Eine Zahl findest du hier bewusst nicht, weil der Aufwand an deinem Vorhaben hängt und nicht am Namen des Systems. Unterschiedlich ist vor allem, wann er anfällt. Bei WordPress fällt laufend Pflege an, vor allem für Updates und Sicherungen. Eine Website ohne CMS braucht weniger Technikpflege, dafür kostet jede Textänderung Entwicklerzeit. Welche Posten ein faires Angebot nennen sollte, steht im Ratgeber zu den Kosten einer Website.

Meine Empfehlung für deine Entscheidung

Wenn du selbst pflegen oder verkaufen willst, rate ich zu WordPress, bei einem Shop mit WooCommerce. Ändert sich wenig und zählt Tempo, rate ich zu einer Seite ohne Redaktionssystem, meist mit Astro. Wechseln nur einzelne Angaben laufend, baue ich dafür einen kleinen Verwaltungsbereich. Was ich bei WordPress und WooCommerce konkret baue, steht auf der Seite WordPress und WooCommerce erstellen lassen.

Schreib mir kurz, was deine Website können soll und wer sie später pflegen wird. Meist innerhalb von 24 Stunden sage ich dir, welches System ich nehmen würde und warum. Wie ich eine neue Seite plane und baue, liest du unter Website erstellen lassen.

WordPress oder Baukasten: was ist der Unterschied?

Ein Baukasten wie Wix oder Jimdo ist ein Mietmodell: Design, Hosting und Bearbeitung liegen beim Anbieter, du bekommst einen Zugang. Das ist am Anfang bequem. Der Unterschied zeigt sich später: Die Seite lässt sich nicht als Ganzes zu einem anderen Anbieter mitnehmen, Funktionen gibt es nur, wenn der Anbieter sie vorsieht, und die Adresse gehört dir nur, solange der Vertrag läuft.

WordPress ist Software, die dir gehört, auf einem Hosting, das du wählst. Du kannst umziehen, erweitern und jemanden wechseln, der sie betreut. Dafür trägst du die Verantwortung für Updates und Sicherheit, oder du gibst sie an jemanden ab. Eine Seite ohne CMS, wie ich sie mit Next.js baue, geht noch einen Schritt weiter: kein Adminbereich, der gepflegt werden muss, dafür jede Textänderung über mich. Welche der drei Varianten passt, hängt davon ab, wie oft du selbst Inhalte änderst und wem die Seite in fünf Jahren gehören soll.

  • Baukasten: schnell gestartet, wenig eigene Pflege, aber gebunden an den Anbieter und seine Funktionen.
  • WordPress: gehört dir, wächst mit, kann umziehen; braucht Pflege oder jemanden, der sie übernimmt.
  • Ohne CMS: am schnellsten und am wenigsten anfällig; Änderungen laufen über den Entwickler.
Häufige Fragen

Fragen, die mir dazu gestellt werden

Ist eine Website ohne CMS sicherer als WordPress?

Eine Seite ohne CMS bietet weniger Angriffsfläche, weil Anmeldeseite und Plugins wegfallen. Laut Patchstack lagen 2025 91 % der neuen Lücken im WordPress-Umfeld in Plugins, im Kern waren es nur 6. Bei WordPress zählt deshalb vor allem, wie wenige Erweiterungen überhaupt laufen. Updates gehören dazu, reichen laut Patchstack aber nicht allein: 46 % der Lücken hatten bei Veröffentlichung noch keine Korrektur des Herstellers. Heikel wird es, wenn sich niemand kümmert.

Kann ich eine Website ohne CMS später selbst ändern?

Über eine Oberfläche nicht, Textänderungen gehen über den Entwickler. Wechseln nur einzelne Angaben häufig, etwa Öffnungszeiten oder buchbare Zeitfenster, lässt sich dafür ein kleiner Verwaltungsbereich bauen, wie ihn die Werkstatt von Jan Oppitz nutzt. Brauchst du später mehr Selbstpflege, ist ein Umstieg auf WordPress möglich.

Ist WordPress langsam?

Nicht zwangsläufig, aber Tempo muss man einbauen: Seiten-Cache, schlanke Bilder, wenige Plugins und ein Theme ohne Ballast. Bei fewo-heiligenhaus.de wog die Unterseite der Ferienwohnung nach dem ersten Livegang 1.433 Kilobyte, nach einer Runde Feinarbeit an Bildern und Schriften noch 385. Auch eine Seite ohne CMS wird nur schnell, wenn sie sauber gebaut ist.

Welches CMS eignet sich für kleine Unternehmen?

Wenn du Inhalte selbst pflegen willst, empfehle ich WordPress, für Shops zusammen mit WooCommerce. Es ist freie Software, läuft laut W3Techs (Stand 11. September 2026) auf 40,3 % aller Websites, und du bist nicht an einen Baukasten-Anbieter gebunden. Willst du gar nichts selbst ändern, brauchst du womöglich kein CMS, sondern eine schnelle Seite, die ein Entwickler für dich pflegt.

Braucht eine Website ohne CMS auch Wartung?

Ja, nur weniger. Hosting und Zertifikat wollen überwacht werden, und die Software-Bausteine der Seite brauchen weiter Updates. Hat die Seite ein Kontaktformular, muss auch der Mailversand zuverlässig laufen. Die Updates für Plugins und Redaktionssystem fallen dagegen weg.

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