Warum der Betreiber von Shopify weg wollte
Der Anlass war die Rechnung. Der Betreiber wollte die monatliche Gebühr an die Plattform und die Erweiterungen, die einzeln im Abo laufen, nicht weiter tragen. Dazu kam die Ware: Das Angebot wechselt laufend, je Teil hängen nur wenige Exemplare am Ständer, viele davon unter 15 Euro, und ausverkaufte Teile kommen meist nicht nach. Bei so einem Sortiment entscheidet die Zeit je Artikel darüber, ob der Shop überhaupt aktuell bleibt.
Was ein eigener Shop an dieser Stelle ändert: Bei WooCommerce entfällt die Monatsgebühr an eine Plattform und der Anteil am Umsatz, es bleiben die Gebühren deines Zahlungsanbieters. Design und Daten liegen bei dir. Der ehrliche Gegenposten steht weiter unten: Updates, Sicherungen und die Kontrolle danach übernimmt keine Plattform mehr für dich. Shopify startet einfacher, kostet über die Jahre aber mehr und lässt weniger Anpassung zu.
Von Shopify zu WordPress wechseln: die Anforderungen kommen aus der Ware
Vor der Technik stand die Frage, welche Handgriffe im Laden jeden Tag anfallen. Aus dem Sortiment ergaben sich fünf Anforderungen an den neuen Shop:
- Einstellen vom Handy: Ein neues Teil geht vom Telefon aus online, ohne Zwischenschritt am Rechner und ohne jede Größe einzeln anzulegen.
- Bestand je Größe: Liegt eine Größe nicht mehr im Lager, darf der Shop sie auch nicht mehr verkaufen. Bei wenigen Exemplaren je Teil ist eine Größe schnell vergriffen.
- Versand ohne Nacharbeit: Der Kunde soll von selbst erfahren, wann sein Paket losgeht. Für kleine, leichte Teile braucht es eine günstigere Versandart als für ein Kleid.
- Deutsche Pflichtangaben: Am Artikel stehen Lieferzeit und Versandkosten, mit jeder Bestellbestätigung geht die Widerrufsbelehrung raus.
- Texte, die nicht veralten: Die Startseite verkauft über Herkunft und Preisniveau, nicht über Artikelnamen und Stückzahlen, die nach der nächsten Lieferung falsch sind.
Darin steckt der Unterschied zwischen einem Umzug und einem Nachbau. Du nimmst nicht mit, was dein alter Shop an Funktionen hatte, sondern die Abläufe, die dein Betrieb wirklich braucht. Bei wechselnder Ware in kleinen Stückzahlen war das vor allem die Einstellzeit je Artikel.
Shop-Umzug auf WooCommerce: die Schritte bis zum Livegang
Der Aufbau begann Ende Juli 2026, die erste echte Bestellung ging am 4. August 2026 ein, live ist der Shop seit August 2026. Dieses Tempo geht nur, wenn Bilder, Preise und die Angaben für deine Rechtstexte schnell vorliegen. In dieser Reihenfolge baue ich einen Umzug:
- Eigenes Theme bauen, klassisch als WordPress-Theme ohne Page-Builder. Dabei erhält jede beim Einstellen gewählte Kategorie ihre eigene Seite, Unterkategorien öffnen sich im Hauptmenü.
- Den Bildschirm „Artikel schnell einstellen“ bauen: Foto wählen, Name und Preis eintragen, Größen mit Stückzahl anhaken, versichertes Paket oder Warensendung antippen. Heraus kommt ein kaufbarer Artikel mit Variante und eigenem Bestand je Größe, in unter zwei Minuten.
- Startseite anbinden: Artikel mit Stern stehen oben, ohne Markierung erscheinen die zuletzt eingestellten. Nach einer Lieferung muss niemand die Startseite nachpflegen.
- Versand einrichten: DHL mit Sendungsverfolgung, Warensendung für kleine Teile. Trägst du die Sendungsnummer ein, bekommt der Kunde automatisch eine Mail mit Verfolgungslink. Sobald DHL die Zustellung zurückmeldet, gilt die Bestellung als abgeschlossen.
- Zahlarten anbinden: Karte über Stripe, PayPal, Klarna und Vorkasse.
- Die deutschen Pflichtangaben über Germanized einstellen: Checkbox in der Kasse, Lieferzeit am Artikel, Rechtstexte in jeder Bestellbestätigung.
- Eine echte Testbestellung durchlaufen und jede Mail lesen, die dabei verschickt wird.
- Livegang vorbereiten: eigene Beschreibungen für alle Kategorie- und Serviceseiten, Produktdaten, die Versand- und Rückgabeangaben als strukturierte Daten tragen, dazu ein eigener Seiten-Cache.
- Nach dem Start: Handbuch übergeben, tägliche Sicherung einrichten, Meldungen aus dem Betrieb direkt an mich.
Die Stellen, an denen es im Umzug hakt
Keiner dieser Punkte steht in einer Funktionsliste. Zwei kommen aus der Technik von WordPress, die übrigen aus dem Verkauf wechselnder Ware:
- Zwei wählbare Versandarten sind ein Fehler. Versandkosten, die sich je Teil unterscheiden, gehören an den Artikel. Darf der Kunde zwischen zwei Versandarten wählen, bucht er für ein Kleid die günstige Warensendung.
- Größen in der Werbebotschaft. Größen sind ein Detail am Artikel. Auf der Startseite veralten sie mit der nächsten Lieferung, genau wie Artikelnamen und feste Stückzahlen.
- Tempo ist bei WordPress nicht eingebaut. Ohne Cache entsteht jede Seite bei jedem Aufruf neu, aus Code und Datenbankinhalten. Bei Fashion Kiosk brauchte das 1,7 bis 1,9 Sekunden je Aufruf, mit eigenem Seiten-Cache liegt die Auslieferung bei 0,09 bis 0,22 Sekunden. Neue Artikel und Bestände bleiben trotzdem sofort sichtbar.
- Zahlungs-Plugins schleppen eigene Skripte ein. Wer sie nicht bewusst begrenzt, lädt sie auf jeder Seite mit, auch dort, wo niemand bezahlt.
- Kleinigkeiten zeigen sich erst im Alltag. Eine Unterkategorie fehlte im Menü, beim Einstellen fehlten neu hinzugekommene Größen. Beides ist behoben, weil Meldungen aus dem Betrieb direkt bei mir landen.
Die Testbestellung vor dem Start findet, was keine Einstellung zeigt
Bei Fashion Kiosk fehlte bei Vorkasse die Widerrufsbelehrung in der Bestätigungsmail. In den Einstellungen sah alles richtig aus. Aufgefallen ist es nur, weil vor dem Livegang eine echte Bestellung durchlief. Seitdem gehen die Rechtstexte mit jeder Bestellbestätigung raus, auch bei Vorkasse.
Zwei weitere Funde aus Shopprojekten zeigen, warum eine einzige Testbestellung nicht genügt:
- Der Expresskauf sprang über die Pflicht-Checkbox. Kurz vor dem Livegang zeigte sich, dass der Expresskauf eines Zahlungs-Plugins die Widerrufs-Checkbox überging, die ein zweites Plugin in der Kasse ergänzt. Auf der Produktseite und im Warenkorb ist der Expresskauf seitdem abgeschaltet.
- Ein automatisches Kern-Update stellte die Sprache zurück. Die folgende Bestellmail ging auf Englisch raus. Getroffen hat es eine eigene Testbestellung, kein Kunde hat diese Mail bekommen.
Deshalb gehört zu jedem Umzug eine Bestellung je Zahlart, samt Lesen aller Mails, die dabei verschickt werden. Karte, PayPal, Klarna und Vorkasse verhalten sich in der Kasse unterschiedlich, und die Pflichtangaben hängen an der Mail, nicht am Haken in den Einstellungen.
Weiterleitungen: deine alten Adressen dürfen nicht ins Leere laufen
Wenn dein bisheriger Shop schon Besucher aus Google hat, gehört die Liste deiner alten Adressen zu den wichtigsten Unterlagen. Zusammenstellen musst du sie vor dem Livegang und nicht danach, sonst gehen bestehende Platzierungen verloren.
Wie das in Zahlen aussieht, zeigt ein Relaunch aus einem anderen Projekt, die Website für zwei Ferienunterkünfte: Aus der alten Sitemap passten nur 6 von 16 Adressen in die neue Struktur. Drei der neuen Seiten liefen unter bestehenden Adressen weiter, die restlichen sieben Adressen leiten per 301 auf den jeweils passenden Inhalt. Im Shop wird diese Liste länger, weil jede Kategorie eine eigene Adresse hat. Bei Fashion Kiosk hat jede beim Einstellen gewählte Kategorie eine eigene Seite, und zum Start erhielten alle Kategorie- und Serviceseiten eigene Beschreibungen.
Ein Punkt fällt beim Plattformwechsel gern hinten runter: Dein Shop landet dabei auf einem neuen Hosting. Prüf danach, ob dein neuer Hoster eine eigene Besucherzählung per Zählpixel mitlaufen lässt. Trifft das zu, beschreibt deine Datenschutzerklärung nicht, was die Technik tut, und für die Zählung brauchst du eine Einwilligung.
Nach dem Wechsel bedienst du den Shop selbst
Wer seinen Shop selbst pflegt, braucht Oberflächen für die eigenen Handgriffe und nicht das vollständige WooCommerce-Menü. Bei Fashion Kiosk ist der oberste Menüpunkt „Heute zu tun“. Dort liegt jede offene Bestellung mit einer Packliste inklusive Größe und einem Packzettel, auf dem keine Preise stehen. Dazu gehört ein bebildertes Handbuch, 22 Seiten mit 13 Screenshots, im A5-Format fürs Handy gesetzt.
Der Teil, den die Plattform vorher übernommen hat, bleibt trotzdem Arbeit: Updates einspielen und danach kontrollieren, Sicherungen laufen lassen, Hosting und Zertifikat im Blick behalten. Bei Fashion Kiosk läuft die Sicherung täglich. Ob du das selbst machst oder als laufende Wartung und Betreuung abgibst, entscheidest du besser vor dem Umzug als nach dem ersten Zwischenfall.
Umzug selbst machen oder abgeben
WooCommerce ist kein Nischensystem. W3Techs fand es am 11. September 2026 auf 19,8 Prozent aller WordPress-Websites, und im Verzeichnis auf wordpress.org stehen über 72.000 kostenlose Plugins (abgerufen am 12. September 2026). Einrichten lässt sich also viel mit vorhandenen Bausteinen. Heikel sind die Stellen, an denen Ware, Versand, Zahlung und Pflichtangaben zusammenlaufen, und dort merkst du einen Fehler erst an der ersten echten Bestellung.
Willst du den Umzug abgeben: Unter Webshop erstellen lassen steht, wie ein Shopprojekt bei mir läuft, die Technik dahinter erklärt die Seite zu WordPress und WooCommerce. Für Mode und Babymode gibt es die Branchenseite Onlineshop für Boutique, und was den Aufwand eines Shops treibt, steht im Ratgeber zum Webshop. Schreib mir kurz, was du heute verkaufst und was dich an deiner Plattform stört. Meist hast du innerhalb von 24 Stunden eine ehrliche Einschätzung im Postfach.